Studie: Wertschätzung für Bauarbeiter

Studie: Drei Viertel der Bauarbeiter fühlen sich unterbewertet


Studie – Dienstag, 23. Januar 2024

Fast drei von vier Bauarbeitern haben das Gefühl, unterbewertet zu werden. Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die Proforto, Marktführer für Arbeitskleidung, unter 300 Bau-Fachkräften durchgeführt hat. Proforto unterstreicht die Bedeutung von Menschen mit einem praktischen Beruf – gerade in dieser Zeit. „Allein schon die Wohnungsbaukrise und die Energiewende schreien in den kommenden Jahrzehnten nach dem Wissen und der Kompetenz von Hunderttausenden von Fachkräften.“ Trotz der negativen Stimmung, die sie gegenüber ihrem Beruf erleben, kommt der Großteil der Bauleute jedoch nicht auf die Idee, jemals einen Bürojob gehabt zu haben.


Dass sich viele Bauarbeiter unterbewertet fühlen, liegt unter anderem daran, dass sie der Ansicht sind, ihre Arbeit werde unterschätzt. 71 % der befragten Bau-Fachkräfte sind der Meinung, dass Außenstehende ihr Wissen und ihre Kompetenz zu niedrig einschätzen. Doch viele Bauarbeiter spüren auch von ihrem Arbeitgeber aus keine Wertschätzung. So findet mehr als ein Drittel (35 %) der Befragten, dass sie für die Arbeit, die sie leisten, keinen fairen Lohn erhalten.

Zu lange zum Weiterlernen gedrängt

Laut Rik Burgersdijk, Gründer von Proforto, trägt die Verwendung eines Begriffs wie „gering qualifiziert“ nicht zur Wertschätzung von Menschen mit praktischer Ausbildung bei. „Rückblickend war es auch nicht hilfreich, dass Praxis-Menschen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder dazu ermutigt wurden, vor allem weiter zu studieren“, so Burgersdijk. „Ein Hochschulzeugnis war lange Zeit ein Ziel an sich, während wir heute erkennen, dass wir Menschen, die mit ihren Händen besonders gut umgehen können, dringend brauchen.“ Er verweist auf den Regierungsplan, in den kommenden sieben Jahren möglichst 900.000 Häuser zu bauen.

Lieber im Büro

Möglicherweise könnte der mangelnde Zuspruch und die fehlende Wertschätzung für den Beruf erklären, warum vier von zehn befragten Bauarbeitern ihrem Kind nicht denselben Beruf empfehlen würden wie den, den sie selbst ausüben. Ob es dann aber direkt ein Bürojob sein müsste, bleibt allerdings fraglich. Jedenfalls empfindet nur 16 % der Bauarbeiter gelegentlich Neid auf Menschen mit Bürojob. Und noch stärker: Nur einer von zehn Befragten hätte seinen Job im Bauwesen lieber gegen eine gut bezahlte Stelle als Anwalt oder Arzt eingetauscht.



Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer Neubewertung der Baubranche. Dabei spielt der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle. In einer früheren Untersuchung von Proforto wurde festgestellt, dass sechs von zehn Bau-Fachkräften gelegentlich „schwarz“ arbeiten – vor allem aus finanzieller Not. Unter anderem kann eine weitere Erhöhung des Mindestlohns – mehrere politische Parteien haben einen Mindest-Stundenlohn von 16 Euro in ihre Wahlprogramme aufgenommen – zur Lösung beitragen.

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